Nun, die Organisatoren des Festes
bieten ihm die Möglichkeit, ab Mittag alle wichtigen Epochen
des Ortes aus dem vergangenen Jahrhundert nachzuempfinden oder neu
zu erleben. In der Tat, er kann das Dorf erwandern und eintauchen
in die Atmosphäre stilvoll restaurierter Bauernhöfe. Hierbei
mag er in den Innenhöfen und Scheunen historische Traktoren,
Maschinen und Oldtimer in Augenschein nehmen. Ebenso kann er den
geschickten Vorführungen der Handwerker zusehen, die früher
zahlreich ihren Beruf im Ort ausübten.
Lellig war jedoch nicht allein ein
Bauern- und Handwerkerdorf. Fast in Vergessenheit geraten ist der
Weinbau. Über zwanzig Winzer zählte der lokale Winzerverein
in den ersten Dekaden des 19. Jh.; Mitte der Fünfziger wurden
die letzten Trauben gelesen. Wie es hierzu kam, erfährt am
Festtag derjenige Gast, der sich für eine Reise mit dem Jahrhundert-Express
entscheidet. Es werden die ehemaligen steilen Weinhänge oberhalb
der schroffen, z. T. überhängenden Felswände des
Syrtals besichtigt. Der alte Wingert gehört zum Naturschutzgebiet
„Manternacher Fiels“, das vielfältige Wandermöglichkeiten
mit kulturhistorischen Bauwerken bietet. Neben der ehemals so wichtigen
Obstproduktion kann sich der Fahrgast auf dieser Tour auch von der
Umgestaltung der Landschaft seit der Flurbereinigung überzeugen;
außerdem wird er das Nebeneinander von intensiver und extensiver
Landwirtschaft begutachten können.
Doch nicht nur wirtschaftliche Aspekte
finden auf der Zeitreise Beachtung; auch die soziale und kulturelle
Ebene kommt zum Ausdruck. Bildprojektionen zeigen Einwohner aus
zehn Jahrzehnten, eine Sonderausstellung in der Kirche behandelt
die Geschichte dieses Sakralbaus in all seinen Facetten; die Besichtigung
der Ausgrabungsstätten von 1972 bringt dem interessierten Besucher
einen Teil einer römischen Gräberstraße aus den
ersten Jahrhunderten n. Chr. nahe; nicht zuletzt gewährt eine
weitere Ausstellung einen Einblick in das kreative Schaffen der
Hobby-Künstler. Führungen durch den alten Dorfkern runden
das Angebot ab. Ein Spezialprogramm bindet aktiv die Kinder in den
Tagesablauf ein, die so die Dorfgeschichte auf besondere Weise nach-
und „erspielen“ können. Musikgruppen aus Herborn
und Berburg/Bech beleben die Gassen des Ortes mit bunten Klängen;
die „Keeldallbléiser“ spielen gegen Abend zum
Tanz in einer großen Dorfscheune auf. Dass bei dieser Vielfalt
an Aktivitäten das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, versteht
sich von selbst; originell ist vielmehr, dass der Gast in alten
Innenhöfen seinen Hunger mit Produkten vom heimischen Bauernhof
stillen kann. Letztendlich wird das hohe Interesse der Dorfbewohner
am Sport durch die abendlichen Liveübertragungen auf einer
Großleinwand dokumentiert (WM und Formel 1); hier gilt es
zu erwähnen, dass lange vor dem Bestehen der heutigen Kegel-
und Turnvereine der FC Racing Lellig zwischen den beiden Weltkriegen
in der Ligue Ardennaise um Punkte kämpfte.
Ihr hundertjähriges Wiegenfest
feiert die Wehr am darauf folgenden Sonntag anlässlich des
Kantonaltags; ab 14.30 Uhr stehen u.a. die Fahnenweihe – auch
diejenige der Jugendwehr der Gemeinde Manternach –, ein großer
Umzug, Rettungsübungen und ein Galakonzert der „Hierber
Musek“ auf dem Programm.